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Inhalt einer letztwilligen Verfügung

Mittels letztwilliger Verfügung kann ein Erblasser - analog den Regelungen eines Erbvertrages - über seinen Nachlass verfügen.

 

Möglicher Inhalt eines Testaments kann z.B. sein:

 

Erbeneinsetzung (Art. 483 ZGB)

Als Erbe am ganzen Nachlass oder an einem Teil davon können Personen oder Institutionen eingesetzt werden.

 

Der Erbe wirkt an der Verwaltung und Teilung der Erbschaft mit und ist für die Schulden des Erblassers, unabhängig von seiner Quote, solidarisch haftbar.

 

Einsetzung eines Vermächtnisnehmers (Art. 484 ff. ZGB)

Vermächtnisse können an beliebige Personen (auch wenn sie bereits Erben sind) ausgerichtet werden. Einem Vermächtnisnehmer wird im Gegensatz zu einem Erben nicht ein Teil des Nachlasses, sondern "lediglich" ein Gegenstand, ein Recht oder eine bestimmter Geldbetrag zugewiesen. Der Vermächtnisnehmer hat einen Anspruch gegenüber der Erbengemeinschaft auf Aushändigung des ihm zugewendeten Vermächtnisses. Er wirkt aber nicht an der Verwaltung und Teilung der Erbschaft mit, und haftet auch nicht für Erbschaftsschulden.

 

Enterbung

Von einer (Straf-)Enterbung (Art. 477 ZGB) spricht man, wenn der Erblasser einem pflichtteilsgeschützten Erben (Ehepartner, Nachkommen oder Eltern) den Pflichtteil ganz oder teilweise entzieht. Eine Enterbung ist nur zulässig, wenn der Erbe gegen den Erblasser oder gegen eine diesem nahestehende Person eine schwere Straftat begangen hat, oder wenn der Entererbte gegenüber dem Erblasser oder einem von dessen Angehörigen die ihm obliegenden familienrechtlichen Pflichten schwer verletzt hat. Eine schwere familienrechtliche Pflichtverletzung liegt nur in Ausnahmefällen vor bei einer Handlung, die geeignet war, den Familiengemeinschaft zu untergraben und diese Wirkung im Einzelfall auch tatsächlich gehabt hat.

 

Der Zweck der Präventiventerbung (Art. 480 ZGB) liegt darin, das Erblasservermögen der Erblasserfamilie (zumindest teilweise) zu erhalten und dieses vor den Gläubigern des zahlungsunfähigen Pflichtteilsberechtigen zu schützen. Sofern nämlich im Zeitpunkt des Todes des Erblassers Verlustscheine gegenüber einem Nachkommen bestehen, und diese Verlustscheine mehr als einen Viertel des "Erbanteils" ausmachen, kann diesem Nachkommen die Hälfte des Pflichtteils entzogen werden. Dieser entzogene Pflichtteilsanspruch muss den Nachkommen des Enterbten (Enkel des Testators) zugewendet werden.

 

Sowohl die Straf- als auch die Präventiventerbung kann nur in den Formen der Verfügungen von Todes wegen (Testament oder Erbvertrag) angeordnet werden. Der Enterbungsgrund muss dabei – möglichst detailliert - in der Verfügung angegeben werden. Liegt keine Angabe eines Enterbungsgrundes vor, ist die Enterbung anfechtbar.

 

Willensvollstrecker (Art. 517 ZGB)

Als Willensvollstrecker kann jede voll handlungsfähige natürliche (z.B. Ehepartner, Nachkommen, Freund, aber auch ein Rechtsanwalt oder Treuhänder) und juristische Person (z.B. das Amtsnotariat oder eine Bank) bestellt werden.

 

Die zum Willensvollstrecker ernannte Person hat nach dem Ableben des Testators den Nachlass nach den Bestimmungen des Testaments oder des Erbvertrages, unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen, zu verwalten, die Schulden zu bezahlen, Vermächtnisse auszurichten und die Erbteilung durchzuführen. Der Willensvollstrecker setzt sich dafür ein, dass der Wille des Erblassers respektiert und die Teilung korrekt vorgenommen wird.

 

Mit dem Antritt des Amts durch den Willensvollstrecker werden die Erben grundsätzlich vom Besitz und von der Verfügungsmacht über den Nachlass ausgeschlossen. Diese stehen exklusiv dem Willensvollstrecker zu.

 

Der Willensvollstrecker hat Anspruch darauf, dass ihm die zuständige Behörde eine Bescheinigung (sog. "Willensvollstreckerzeugnis") ausstellt, die ihm zur Legitimation gegenüber den Erben und Dritten dient.

 

Die Einsetzung eines Willensvollstreckers kann dann sinnvoll sein, wenn die Erben nach Ansicht des Testators voraussichtlich nicht in der Lage sein werden, die Teilung der Erbschaft durchzuführen, sei infolge von Streit, Ortsabwesenheit oder Komplexität des Nachlasses.

 

Teilungsbestimmungen (Art. 608 ZGB)

In einer letztwilligen Verfügung kann der Testator Vorschriften über die Teilung des Nachlasses erlassen. Eine Teilungsvorschrift legt nicht die Grösse eines Erbteils fest, sondern nimmt lediglich inhaltlich auf die Erbteilung Einfluss, indem sie entweder einzelnen Erben bestimmte Erbschaftssachen (z.B. Bild, Schmuck, Markensammlung, Liegenschaft) zuweist oder diesen Erben ein Wahlrecht einräumt.

 

Mittels Teilungsvorschriften kann der Erblasser Streitigkeiten unter den Erben über die Zuweisung vermeiden oder auch besondere Bedürfnisse einzelner Erben (z.B. des überlebenden Ehegatten in Bezug auf die eheliche Liegenschaft) sichern.

 

Ersatzverfügung

Sollte ein im Testament Bedachter (eingesetzter Erbe oder Vermächtnisnehmer) oder der ernannte Willensvollstrecker vor dem Erblasser sterben oder die Erbschaft bzw. das Vermächtnis oder Willensvollstreckermandat ausschlagen, kann der Testator eine andere Person als "Ersatz" für den Vorverstorbenen bestimmen (Art. 487 ZGB).

Prospekt zur Hilfe beim Verfassen eines Testamentes
PDF-Datei Wie verfasse ich ein Testament? (299 kB, PDF)   06.11.2014

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